SIP-Trunks als PMX-Alternative
Mit der vollständigen Abschaltung von ISDN und PMX in Deutschland ist der Umstieg auf All-IP für Unternehmen längst vollzogen. Dieser Artikel erklärt, wie PMX funktionierte, warum SIP-Trunks die überlegene Nachfolgetechnologie sind – und welche Vorteile der Wechsel mit sich brachte.
Was bedeutet PMX eigentlich?
PMxAs, PMX, E1, S2M oder PRI sind die Kurzformen für den Primärmultiplexanschluss. Dieser war ein mit ISDN verwandter digitaler Telefonanschluss mit mehreren Kanälen. PMX-Anschlüsse wurden vorrangig von Unternehmen genutzt, da diese durchwahlfähigen Anlagenanschlüsse eine hohe Leitungszahl boten – bei entsprechend höheren Kosten als einfache ISDN-Basisanschlüsse.
So funktioniert ein PMX-Anschluss
In Europa bieten Primärmultiplexanschlüsse ihren Anwender 16 bis 30 Nutzkanäle (B-Kanäle mit je 64 Kbit/s). Pro Anschluss gibt es noch zwei Kanäle, die jeweils für die Synchronisierung (mit 64 Kbit/s) und für die Signatlisierung (ebenfalls mit 64 Kbit/s) genutzt werden. Die sich daraus ergebende Bruttodatenübertragungsrate für einen PMX-Anschluss ist demnach 2048 Kbit/s (2-Mbit-Ansschluss / PCM30).
Mehrere Nutzkanäle konnten zusammengelegt werden, um höhere Übertragungsraten zu erreichen (bis zu 1.920 Kbit/s). Diese gebündelten Kanäle wurden als H-Kanäle bezeichnet.
Die Übertragung erfolgte über das sogenannte Zeitmultiplexverfahren (TDM/TDMA): Kanäle wurden nacheinander über fest definierte Zeitschlitze übertragen. Bis zu 30 parallele Gespräche waren so über einen einzigen Anschluss möglich.
Der Anschluss erlaubte ausschließlich eine Punkt-zu-Punkt-Verbindung; eine zweite Anlage konnte nicht an dieselbe Leitung angebunden werden. Über das Netzabschlussgerät NTPM wurde der Anschluss an die örtliche Vermittlungsstelle angebunden – diese Verbindung heißt S2M-Schnittstelle. Da PMX als Anlagenanschluss mit einem Rufnummernblock angeboten wurde, war eine Telefonanlage zwingend erforderlich.
Warum gelten SIP-Trunks als Alternative?
SIP-Trunks erfüllen dieselben Grundvoraussetzungen wie PMX – Durchwahlfähigkeit, Rufnummernblöcke, hohe Parallelgesprächszahl – bieten darüber hinaus jedoch deutlich mehr Flexibilität und niedrigere Kosten.
SIP-Accounts werden in einer virtuellen oder klassischen IP-Telefonanlage verwaltet. Das ermöglicht die flexible Schaltung von Rufnummernblöcken und einzelnen Rufnummern auf einen SIP-Trunk. Die Anzahl der Sprachkanäle lässt sich jederzeit skalieren – ohne physische Leitungen und ohne Vertragsbindung an feste Kanalzahlen.
Hinzu kommen Vorteile, die PMX grundsätzlich nicht bieten konnte: verschlüsselte Sprachübertragung via TLS und SRTP, Integration mit Cloud-Diensten und UCaaS-Plattformen wie Microsoft Teams sowie standortunabhängige Nutzung über das Internet.
Mit der Abschaltung von ISDN und PMX durch die Deutsche Telekom und andere Netzbetreiber ist SIP-Trunking heute der Standard für die Unternehmenstelefonie in Deutschland.
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